Wohlwollen, Freundlichkeit
Sanskrit: maitri
Das Sanskrit-Wort maitrī (Pali: metta) heißt wörtlich “Freundschaft”, auch “Freundlichkeit, Wohlwollen, Liebe”. Maitrī als Qualität von Yoga ist die emotionale Seite der zuvor beschriebenen Aspekte Prajñā und Smŗti, denn Erkenntnis ohne Freundlichkeit bleibt herzlos und Freundschaft ohne Verständnis oberflächlich – genau dasselbe gilt für Achtsamkeit.
Sowohl im Yoga als auch im Buddhismus ist Maitrī zusammen mit Mitgefühl, Freude und Gelassenheit eine der vier “Wohnstätten Brahmans” (S. brahmavihāra).
Das Yoga-Sūtra des Patanjali empfiehlt ihre Verwirklichung als geeigneten Weg zur Beruhigung des Geistes. Detaillierte Anweisungen wie diese Qualitäten durch Meditation erlangt werden können, finden wir in den Lehren des Buddha: Sie werden auf besondere Weise in Stufen eingeübt. In der traditionellen Form ist der Ausgangspunkt das freundliche Wohlwollen zu sich selbst. Das heißt, sich in allen Aspekten ganz anzunehmen, gleichsam zu “umarmen”. Von dieser – körperlich spürbaren – Empfindung ausgehend, wird die Freundlichkeit immer mehr erweitert.
Als Teil von Yoga verstehe ich Maitrī als das Bemühen um eine grundsätzlich wohlwollende innere Haltung, die bei sich selbst beginnt und auf die ganze Mitwelt ausgedehnt wird, Menschen, Tiere und Umwelt.
Lieben heißt, die Würde und Integrität des Anderen zu achten, selbst dort wo wir nicht damit einverstanden sind. Es heißt jedoch nicht, alles gut zu heißen oder immer nachzugeben. Manchmal kann Liebe dazu führen, Grenzen zu setzen, sich selbst zu schützen, auf Mängel hinzuweisen, oder auch andere daran zu hindern, Unrecht zu tun. Wohl-wollen bedeutet, zu wünschen und beizutragen, dass alle Wesen zu einem erfüllten Leben finden.


